Herstellung der kubanischen Zigarre

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Die meisten Zigarren auf Kuba werden bis in die Gegenwart in bester Handarbeit gewickelt, nur wenige Manufakuren greifen für diese Tätigkeit auf Maschinen zurück. Damit werden die Habanos selbstverständlich günstiger. Wer sicher gehen will, sollte die verschiedenen Aufschriften auf dem Zigarrenkästchen beachten. Durchgehende Handarbeit wird mit dem Satz "Totalmente a mano" versprochen, dagegen deutet der Satz "Echo a mano" nur auf eine teilweise Handfertigung hin.
Wie wird nun eine kubanische Zigarre hergestellt? Zunächst ist es wichtig zu wissen, wie eine solche Zigarre aufgebaut ist. Eine Habano besteht aus einer Füllung aus Tabakblättern (tripa), einem Umblatt (capote) und einem Deckblatt (capa). Die Füllung (auch als Einlage bezeichnet) sind getrocknete und fermentierte Tabakblätter, die je nach Zigarrenformat manchmal klein geschnittten, manchmal auch im Ganzen verwendet werden. Sie werden vom Umblatt umschlossen und damit in ihrer Form gehalten. Diesen Teil der Zigarre nennt man Wickel. Das äußere Tabakblatt wiederum wird sehr präzise zugeschnitten und wird als Deckblatt bezeichnet.
File 366Die verschiedenen Tabakblätter werden bereits auf verschiedene Weise angebaut. Der Tabak, der später als Deckblatt dienen soll, wächst unter Stoffplanen heran, die je nach Bedarf entfernt werden können. So kann die Sonneneinstrahlung, die nicht zu intensiv sein darf, durch den Bauer beeinflusst werden. Eine weitere Besonderheit dieser Tabakplanzen ist, dass ihre Blüte nicht entfernt wird. Auf diese Weise entstehen sehr dünne und gleichmäßige Blätter, die sich ideal als Deckblatt eignen und ebenso wichtig für das Aroma der Zigarre sind. Der Tabak, der später als Einlage und Umblatt genutzt wird, wächst unmittelbar unter der tropischen Sonne auf. Die Blüten werden frühzeitig abgeschnitten und auf diese Weise wird die Entwicklung von sehr kräftigen und geschmacksintensiven Blättern garantiert.
File 174Die Blätter müssen nach der Ernte zunächst über einige Monate hinweg getrocknet werden. Nach der Trockenphase kommt die Fermentationsphase. Dabei werden viele Blätter dicht gestapelt und durch die hierbei entstehende Gärung, d.h. die Fermentation, wird aus dem trockenen Rohtabak der verbrauchsfertige Tabak. Das bedeutet, dass der Nikotingehalt vermindert wird, gleichzeitig entsteht hier das Aroma des Tabaks. Üblicherweise werden die Tabakblätter zwei- bis dreimal fermentiert, dabei muss der Vorgang gut kontrolliert werden. Anschließend werden die Blätter von Hand sortiert und in die Zigarrenmanufakturen geschickt. Dort werden sie in bester Handarbeit gewickelt – bis zu 200 Arbeitsschritte gehören dazu. Erst wird der Wickel hergestellt, welcher dann in Formen aus Holz gepresst wird. Das Deckblatt wird angebracht und mit den Resten dieser Tabakblätter wird die Kappe der Zigarre angefertigt. Bei allen genannten Tätigkeiten wird ausschließlich pflanzlicher Kleber verwendet. Als letzter Arbeitsschritt in der Herstellung wird die Habano auf die gewünschte Länge gestutzt. Die Arbeiter in den Manufaktoren bezeichnet man als Torcedores, üblicherweise sorgt die Firma für Unterhaltung dieser Arbeiter. Oft wird ihnen aus der Tageszeitung vorgelesen oder einfach Musik vorgespielt.
Nachdem all diese Prozesse durchlaufen wurden, wird erneut mit dem Sortieren und Überprüfen begonnen. Üblicherweise werden die Zigarren nämlich nach Deckblattfarbe sortiert und erhalten noch eine Bauchbinde, die den Namen der Manufaktur und das Herkunftsland nennt. Erst dann wandern die Habanos in die Kästchen. Nun ist die Zigarrenkiste bereit für den Export in die ganze Welt oder den Konsum direkt vor Ort – in Kuba.